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Kaum ist der Faschingstrubel vorüber, beginnt in München die Fastenzeit, während derer die großen Brauereien Münchens ihr süffiges Bockbier ausschenken. Das jährliche Starkbierfest wird, ähnlich wie das Oktoberfest, in Tracht, begleitet von Blasmusik, Tanz auf den Tischen, feucht-fröhlicher Stimmung und der (über-)regionalen Prominenz zelebriert. Zwar fehlen Fahrgeschäfte, Zuckerwatte, gebrannte Mandeln und Schießbuden, dafür ist politisches Kabarett und Singspiel geboten.


Das „Derbleck’n”, die traditionelle Kabarettshow bei der Starkbierprobe in der Paulaner-Brauerei auf dem Nockherberg, bedeutet im Bayerischen, Personen des öffentlichen Lebens den Spiegel vorhalten bzw. die Meinung sagen und kommt vom Wort „Blecken” (=jmd. die Zähne zeigen). Diese Auftritte gibt es seit 1891 und ungefähr seit den 1950er Jahren gehen sie auf Kosten der hohen Politik. Ein bekannter Münchner Schauspieler liest als Bruder Barnabas in seiner Fastenrede den anwesenden Politikern und Prominenten die Leviten, wobei kein Fehltritt unerwähnt bleibt. Dieses Jahr wird zum ersten Mal eine Frau als Fastenprediger auftreten. Luise Kinseher hat bereits 2010 als Bavaria beim Singspiel mitgewirkt, wo Schauspieler bekannte Größen aus der Regional- und Bundespolitik mimen, und wird auch diesmal in diese Rolle schlüpfen. Das Spektakel wird alljährlich live im Fernsehen übertragen, selbst teilnehmen kann man allerdings nur auf Einladung der Paulaner Brauerei.

Was das Starkbier betrifft, so ist das Besondere daran, dass es mit 16 bis 18 Prozent einen erhöhten Stammwürzegehalt und rund 6 bis 8 Prozent Alkohol enthält – im Gegensatz zu den 4,5 Prozent des normalen Vollbieres – und deshalb nicht auf nüchternen Magen zu empfehlen ist! Erkennen kann man das mächtige Bier an der zum Inhalt passenden Endsilbe -ator, wie zum Beispiel das „Salvator” der Paulaner Brauerei. Außerdem ist es dunkel, schmeckt süßlich und wird in den meisten Brauereien nur zwischen Fasching und Ostern ausgeschenkt.

Ursprünglich brauten die Paulanermönche das kalorienreiche Bier zur Fastenzeit, um die Hungerphase besser zu überstehen. Überlieferungen zur Folge sollen die Mönche bis zu fünf Maß am Tag getrunken haben! Der damals übliche Doppelbock „Sankt Vater” wurde im Volksmund schließlich zu „Salvator”. Noch heute wird nach dem Salvator-Rezept gebraut, das Bruder Barnabas im Jahr 1770 verfeinerte. 1780 gab es schließlich ein offizielles Schankrecht für Mönche und erst später entwickelte sich daraus ein Volksfest. Anfang des 19. Jahrhunderts ging die Brauerei in bürgerliche Hände über und bezog ihren noch heute bestehenden Sitz am Nockherberg zwischen der Au und Giesing. Zur Unterhaltung kam dann noch das Singspiel mit Volks- und Gstanzlsängern hinzu.

Eröffnet wird die Starkbierzeit traditionell im Löwenbräukeller mit dem Ausschank des „Triumphators". Zusätzlich geboten wird Kabarett, Livemusik und die Starkbierrede. Außerdem bekannt ist der Augustinerkeller, der sein eigens gebrauten „Maximator” (7,5 %) direkt aus dem Holzfass ausschenkt. Wer auf dem Luftweg anreist, kann direkt am Flughafen den „Aviator” (7,7 %) testen. In der europaweit einmaligen Airbräu-Brauerei in der Terminalstraße kann man den Brauprozess sogar im Restaurant mitverfolgen und an Führungen teilnehmen. Die bereits erwähnte Paulaner Brauerei hat am Nockherberg ihr Wirtshaus, wo alle nach dem Derblecken der politischen Riege das „Salvator” (7,9 %) kosten dürfen. Dazu gibt’s bayerische Schmankerl und zünftige Musik von der Wiesnkapelle.

Starkbier-Adressen


Airbräu-Restaurant am Flughafen
›› München Airport Center, Terminalstraße Mitte 18, Tel. 97 59 31 11
www.munich-airport.de/de/micro/airbraeu/index.jsp

Augustinerkeller
›› Maxvorstadt, Arnulf Str. 52, Tel. 59 43 93
www.augustinerkeller.de

Löwenbräukeller
›› Maxvorstadt, Nymphenburger Str. 2, Tel. 5 47 26 69-0
www.loewenbraeukeller.com

Nockherberg Paulaner Wirtshaus
›› Au-Haidhausen, Hoch Str. 77, Tel. 45 99 13-0
www.nockherberg.com